Sterben, Hoffnung, Glaube und Leben

Vor kurzem habe ich im Zusammenhang mit dem 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erstmals von Alfred Delp gelesen, einem deutschen Jesuiten und Mitglied des Kreisauer Kreises im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Alfred Delp wurde 1944 verhaftet und zum Tod verurteilt. Ein Angebot, sich vom Orden loszusagen und damit seine Freiheit zu erlangen, hatte er ausgeschlagen. In seinem Abschiedsbrief standen folgende Worte:

„Es sollen einmal andere besser und glücklicher leben dürfen, weil wir gestorben sind.“

Dem Gefängnispfarrer, der ihn zur Hinrichtung begleitete, sagte er:

„In wenigen Minuten werde ich mehr wissen als Sie.“

Vor so viel Haltung, auch in der schwersten Stunde, kann ich mich nur stumm verneigen.

Eine zweite Persönlichkeit, die für ein persönliches Zeugnis in Glaubensdingen steht, ist Gertrude Detzel, eine katholische Russlanddeutsche. Sie wurde 1949 von den Sowjets zu 10 Jahren Straflager verurteilt, hat ihren Glauben aber dennoch nicht abgelegt. Dem Vernehmen nach soll sie auch im Lager am Sonntag Frauen zum Gebet versammelt haben, was nicht erlaubt war.

Und doch soll nach fünf Jahren der Lagerkommandant die Behörden dringend darum ersucht haben, Detzel zu entlassen, „weil sonst hier alle zu beten anfangen.“

Michael Prüller aus „Der Sonntag“, Rubrik „Die Kirche und Ich“.

Vor kurzem wurde der Prozess zur Seligsprechung von Gertrude Detzel eingeleitet. Mir gefällt die Vorstellung, dass ein Lagerkommandant vor dem Glauben einer starken Frau kapituliert hat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s