Man soll Gott nicht mit Dingen belästigen, die man selbst tun kann.

Vor langer Zeit habe ich in unserer Kirche einmal eine Predigt gehört, in der es um Wünsche an Gott ging. Unser Priester wollte vermitteln, dass es nicht reicht, nur eine Bitte an Gott zu richten – man müsse schon auch etwas dafür tun, das gewünschte Ziel zu erreichen. An diese Predigt musste ich denken, als ich im Buch „Die Messe verstehen in 15 Schritten“ (Andrea Schwarz, Herder Verlag, ISBN 978-3-451-37548-4) die folgende Geschichte las:

Ein Schüler kam auf seinem Kamel zu dem Zelt seines Meisters geritten. Er stieg ab und ging direkt in das Zelt hinein, verneigte sich tief und sagte:“Mein Vertrauen in Gott ist so groß, dass ich mein Kamel draußen nicht angebunden habe, weil ich überzeugt bin, Gott wird die Interessen derer, die ihn lieben, schützen.
„Geh und binde Dein Kamel an, du Narr!“ sagte der Meister. „Man soll Gott nicht mit Dingen belästigen, die man selbst tun kann.

Anthony de Mello, entnommen dem Buch „Die Messe verstehen in 15 Schritten“

Da musste ich schon ein bisschen schmunzeln. Aber ich denke, er hat recht. Dazu passend die letzten Worte aus der eingangs erwähnten Predigt:

Der Mensch macht den ersten Schritt, Gott den letzten.

Pfarrer Pierre Diedier im Rahmen einer Predigt

Lassen wir am Ende auch noch „Altmeister“ Martin Luther zu Wort kommen:

Man soll beten, als ob alles arbeiten nichts nützt, und arbeiten, als ob alles beten nichts nützt!

Martin Luther

Bindet den Esel los!

Bindet den Esel los! Der Herr braucht ihn!
Bindet den Esel los! Der Herr braucht ihn!
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In der österreichischen Kirchenzeitung „Der Sonntag“ gab es vor kurzem einen Artikel, in dem sich Neupriester vorstellen durften. Einer von ihnen, Sigfried Bamer, antwortete auf die Frage „Wie würde ich mich selbst beschreiben“ folgendermaßen:

Sinngemäß übersetzt nach Lk 19, 30-31: „Bindet den Esel los. Der Herr braucht ihn!“
Ich kann manchmal eigensinnig und störrisch sein wie ein Maultier, aber ich bin von Grund auf ein sehr friedfertiger, liebevoller und wohlwollender Zeitgenosse. Damit habe ich mir auch mein höchstes Ziel gesetzt: Wie der Esel des Palmsonntags, den Herrn zu den Menschen zu tragen.

Sigfried Bamer, Der Sonntag, 7.10.2020
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Warum Gott eine Chance braucht und wer den ersten Schritt macht

Lottokugeln im Trichter
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Heute musste ich ganz spontan an den Ausspruch eines ehemaligen Priesters unserer Pfarrgemeinde denken:

Du machst den ersten Schritt.
Gott den letzten.

Pfarrer Pierre Didier

Pierre wollte uns damit sagen, daß man auch selber etwas tun muss. Etwas in die Gänge bringen. Etwas beginnen. Vielleicht auch etwas riskieren. Es wird uns nicht der ganze Weg abgenommen. Aber wenn man die ersten Schritte getan hat, so weit man halt kommt, dann hilft uns Gott auf den letzten Schritten. Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott, sagt das Sprichwort.

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Wofür man beten kann und was das mit einem Kinderbuch über Kreuzzüge zu tun hat

Ich lese gerne wissenschaftliche Bücher für Kinder und Jugendliche. Es ist meistens ein guter Einstieg in ein spezielles Gebiet, und danach kann man sich ja der „Erwachsenenliteratur“ widmen.

Und so habe ich das Buch „Das Zeitalter der Kreuzzüge“ von Harald Parigger, Arena Verlag, zur Hand genommen. Erzählt wir die fiktive Geschichte eines jungen Adeligen, der Gottfried von Bouillon in den ersten Kreuzzug begleitete. Im Rahmen dieser Geschichte wird den jungen Lesern ein Bild dieser Zeit vermittelt und die Geschichte des ersten Kreuzzuges durchaus kritisch erzählt.

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Wir sollten viel mehr miteinander reden.

Eigentlich wollte ich mit einem anderen Artikel beginnen, aber das hier hat sich aus einem aktuellen Anlass heraus spontan ergeben.

Das obige Zitat stammt aus einem Interview von Herrn Kardinal Schönborn im Rahmen der ORF Pressestunde. Einen Beitrag zum Inhalt habe ich auf meiner Homepage gepostet bzw kann das Interview hier nachgelesen werden. Auch auf der ORF TVThek ist es noch abrufbar.

Erinnerungen an ein Gespräch mit Kardinal Schönborn

Kardinal Schönborn Besuch Pfarre Cyrill und Method

Beim Hören des Interviews sind mir Erinnerungen an ein persönliches Treffen mit dem Kardinal gekommen. Im Rahmen eines Besuches des Kardinals in meiner Pfarre Cyrill und Method hatte ich Gelegenheit, ihn „live“ kennenzulernen und ein kurzes, für mich aber nachhaltiges Gespräch zu führen.

Ich bin im Laufe meines Lebens einigen Menschen begegnet, die Autorität ausstrahlten oder ausstrahlen wollten. Bei manchen war es durch die Stellung bedingt, andere wiederum traten im Gespräch sehr dominant auf. Manche „poltern“, um sich Gehör zu verschaffen.

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